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Uruguay: Klimameister im äußersten Süden Südamerikas

Uruguay: Klimameister im äußersten Süden Südamerikas

Wer in Zeiten der globalen Energiekrise nach Beispielen für zukunftsweisende Lösungen sucht, findet am Ende ein kleines Land fast am Ende der Welt. Wenn man sich also das südamerikanische Land Uruguay anschaut, kann man viel darüber lernen, wie man Energieknappheit überwinden kann, ohne auf fossile Brennstoffe und Importe zurückzugreifen. Uruguay hat in wenigen Jahren eine nahezu vollständige Energieautarkie erreicht. Fast der gesamte Bedarf wird aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Mit seinen Hochebenen und Hunderten Kilometern Meeres- und Flussküste ist Uruguay ein idealer Ort für die Erzeugung von Solar-, Wind- und Wasserkraftenergie.

Politischer Konsens für die Energiewende

Doch neben den Vorzügen von Natur und Geographie gibt es vor allem einen politischen Konsens, von dem fast alle Länder Europas, insbesondere Deutschland, etwas lernen können. Uruguay ist es gelungen, eine langfristige strategische Energievision zu entwickeln, die die Unterstützung aller politischen Akteure genießt und sich vor allem auf die Nutzung und den Ausbau der eigenen Ressourcen konzentriert. Auf diese Weise hat sich das kleine Uruguay in den letzten zehn Jahren als eines der Vorzeigeländer bei der Umstellung auf eine grüne Wirtschaft profiliert. Auf jeden Fall in Lateinamerika, aber auch im globalen Vergleich. Heute exportiert Uruguay sogar Strom in seine beiden großen Nachbarn Argentinien und Brasilien. Aber die Wahrheit ist, dass es in Uruguay mehr Rinder als Menschen gibt. Nur 3,5 Millionen Menschen leben im Land südlich des Río de la Plata. Nach Angaben des uruguayischen Ministeriums für Industrie, Energie und Bergbau (MIEM) stammten 94 Prozent des im vergangenen Jahr verbrauchten Stroms aus nachhaltigen Quellen, wobei Windenergie mit 40 Prozent an der Spitze lag, gefolgt von Wasserkraft (30 Prozent), Biomasse (20 Prozent) und Solarenergie (vier Prozent). Nach Angaben des Ministeriums stammen nur 6 % des Stroms aus fossilen Brennstoffen. Im weltweiten Vergleich gehört der Klimachampion an der Südspitze Südamerikas mittlerweile zu den größten Windenergieproduzenten im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Bis 2007 war das Land noch Importeur fossiler Energie.

25-Jahres-Plan für die Energieunabhängigkeit

Nach einem Jahrzehnt der Dürre zwischen 1997 und 2007 sank der Anteil der Wasserkraft am Energiemix von 90 % auf 50 % und das Land war gezwungen, Energie im Ausland zu kaufen. Die Regierung von Montevideo gibt jährlich mehr als 2,8 Milliarden US-Dollar für den Import fossiler Brennstoffe aus. Im Jahr 2008 suchte die damalige linke Regierung Frente Amplio nach einem Weg, unabhängig von Importen und vor allem Ölkäufen zu werden, und verabschiedete einen 25-Jahres-Plan mit Schwerpunkt auf Wind-, Solar- und Biomasseenergie. Mit Hilfe der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) und des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) hat Uruguay ein günstiges Umfeld für ausländische Investitionen geschaffen: transparente Ausschreibungen mit Sicherheit und Anreizen für Investoren. Beide sind in Lateinamerika recht selten. Zwischen 2010 und 2015 investierten der Staat und insbesondere internationale Privatinvestoren mehr als sieben Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien. Auch nach dem Machtwechsel zu einer konservativen Regierung im Jahr 2020 hielt der neue Präsident Luis Alberto Lacalle Pou am 25-Jahres-Energieplan fest. Dies sei eines der Erfolgsgeheimnisse Uruguays, sagt Ramón Méndez, Energieminister von 2008 bis 2015, wobei Linke und Rechte in dieser Frage an einem Strang ziehen. „Die volle Unterstützung aller politischen Kräfte, die Schaffung eines investorenfreundlichen Umfelds und die flexible Politik der jeweiligen Regierungen öffneten die Tür für eine Änderung des Energiemixes innerhalb weniger Jahre."

Investition in Energieinfrastruktur

Uruguay investiert weiterhin jährlich rund 3 % seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Energieinfrastruktur. Im Renewables Global Status Report des Energie-Thinktanks REN 21 belegt das kleine südamerikanische Land weltweit den fünften Platz in Bezug auf die Investitionen in erneuerbare Energien als Anteil am BIP. Ende 2019 stufte die Internationale Energieagentur (IEA) den Staat als führend in Lateinamerika bei der Energieerzeugung ein. Nur drei Länder der Welt sind bei der Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie stärker. Im Jahr 2005 trugen jedoch weder Wind- noch Solarenergie zur Stromerzeugung Uruguays bei.

Diese schönen modernen Zeiten der Energie haben jedoch auch eine Kehrseite. Die Kosten für grünen Strom sind sehr hoch. Dies ist vor allem auf das gesamte investierte ausländische Kapital zurückzuführen. Diese Kosten werden an den Kunden weitergegeben. Infolgedessen sind die Energiekosten in Uruguay nach regionalen Maßstäben höher als anderswo. Im August 2021 zahlten die Kunden laut dem Stromunternehmen SEG Ingeniería 242 US-Dollar pro Megawattstunde, verglichen mit 179 US-Dollar in Chile, 165 US-Dollar in Brasilien, 66 US-Dollar in Argentinien und 59 US-Dollar in Paraguay.

Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr

Dennoch geht die grüne Revolution in Uruguay unaufhaltsam weiter, auch so dass die Kosten am Ende sinken. Bis 2030 muss die Abhängigkeit von Wasserkraft weiter verringert werden, indem der Anteil nichtkonventioneller erneuerbarer Energien wie Wind, Sonne und Biomasse erhöht wird. Darüber hinaus steht die „zweite Energiewende" auf der Agenda. Und das bedeutet, den gesamten öffentlichen Nah- und Fernverkehr auf Elektro umzustellen. Auch die gesamte Industrie des kleinen Landes wird weiterbestehen.